So langsam muss man sich wohl in Europa Gedanken darüber machen, sollten sich die USA von Europa und der Nato abwenden. Schlagartig müssten dann völlig neue Verteidigungsstrategien und Bündnisse entwickelt werden. Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung und viel Geld wäre man dann in der Lage, feindliche Angriffe anderer Bündnisse abzuwehren. Doch selbst ist es nicht gewährleistet. Doch es gibt meiner Meinung nach keine Alternativen für die Zukunft.
Europa ist in der Rüstungsfrage ein Flickenteppich. Rund 150 verschiedene Waffensysteme - das sind fast sechsmal so viele wie in den USA. Ökonomisch gesehen ist das pure Geldverschwendung und eine gemeinsame Finanzierung der europäischen Staaten weitaus sinnvoller. Man hat größere Mengen, man kann skalieren, man kann vor allem auch die Waffensysteme reduzieren und auf ein erträgliches Maß bringen.
Doch davon ist Europa meilenweit entfernt. Es gibt zwar Prestigeprojekte, doch bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gibt es Probleme. Zum Beispiel bei `FCAS` - das Kampfflugzeug der Zukunft. Es ist das teuerste Rüstungsprojekt aller Zeiten.
Seit acht Jahren arbeiten Franzosen, Deutsche und Spanier gemeinsam daran. Immer wieder gab es Konflikte, inzwischen steht das Mammutprojekt auf der Kippe. Die Schuldzuweisungen sind vielsprachig - je nachdem, aus welchem Land sie kommen. Frankreichs Rüstungskonzern Dassault verlangt zu oft die Federführung, sagen die einen. Airbus Deutschland und Airbus Spanien sind zu langsam, sagen die anderen.
Aber natürlich geht es auch um Geld, um viel Geld. Frankreich hat sein Kampfflugzeug "Rafale" gerade erfolgreich an Serbien verkauft. Es ist im Jahr 2000 vorgestellt worden und für weitere Jahrzehnte konzipiert. Und Deutschland? Hat gerade in den USA (ausgerechnet) 35 Kampfflugzeuge vom Typ F35 bestellt, was in Paris nicht gut ankam.
So auch bei der Marine. Die "Fregatte 126", ein modernes Kriegsschiff in europäischer Zusammenarbeit, könnte scheitern. Der niederländische Auftragnehmer ist in Schwierigkeiten, die französische Software nicht kompatibel.
Dazu kommt aus Brüssel Druck: Die Zeit dränge, die Europäer sollen in der Rüstung mehr zusammenarbeiten, nicht weniger. Als Beispiel dient die Ausnahme Èurofighter`, hier gelang es vortrefflich. Am besten wäre es natürlich, wenn die Europäer sich zu einer Verteidigungsunion zusammenschließen und dann nur noch einen Kampfpanzer, ein Kampfflugzeug, eine Haubitzenlinie usw., Waffensysteme, die dann alle Armeen kaufen.
Es kann doch nicht sein, dass man eine Verteidigungsunion nach dem Motto macht, von jedem Land muss was dabei sein weil jeder sein Ego befriedigt haben möchte. Nein, es muss die beste Leistung, das beste Produkt für die jeweils anfallenden spezifischen Aufgaben mobilisiert werden.
Aber das ist Zukunftsmusik. Im Moment achten die nationalen Verteidigungsminister in Europas Hauptstädten noch sehr genau darauf, dass die heimischen Rüstungsbetriebe den Auftrag bekommen. Auch, wenn das nicht unbedingt erfolgreich ist.